Das mit der Sünd weiss ich nicht, jedenfalls gab es auf meiner Alp kein Internet, weshalb mein Blog nun drei Monate brachlag. Anfangs überlegte ich noch eine Art Analog-Blog zu führen, Briefe an den Freund, die er dann abtippen oder einscannen könnte, aber ich habe nicht einen Brief geschrieben, weil.. wie soll ich es sagen? Der 16-Stunden-Arbeitstag war meiner Fabulierlust nicht sonderlich zuträglich.
Da ich recht kurzfristig eine neue Stelle suchen musste, bin ich zu einem bereits seit einer Woche zusammenarbeitendem Team dazugekommen und das Erste was mir bei meinen neuen Kollegen auffiel waren ihre müden, roten Augen. Die hatte ich recht bald auch.
Der Tag begann für mich um 3.30h mit dem Holen der Kühe. Wir hatten auf dem Klo so eine Art Motivationsposter hängen, mit Kuhfoto im Gegenlicht und dem Text: "Und was ich auch noch gern tue ist morgens die Kühe holen.."bla, bla und wie schön es doch ist die "sanften Kolosse" freundlich zu wecken und dann die tolle Morgenstimmung. Ich fühlte mich jedes mal wenn ich das Ding sah einfach nur verarscht.
Weil 3.30h ist nämlich gar kein Morgen! - es ist mitten in der Nacht!- und es gibt da auch keine tolle Morgenstimmung! Und die "sanften Kollosse" werden auch nicht freundlich geweckt, sondern mit der Stirnlampe angeleuchtet und mit "Holla, holla" und Hundegebell zum Aufstehen bewegt. Wenn sie dann freundlich sind begeben sie sich zum Ausgang, manchmal spielen sie aber auch Verstecken zwischen den Bäumen, oder bleiben einfach ganz ruhig auf der Weide stehen.
Zusätzlich ist man je nach Wetterlage mehr oder weniger damit beschäftigt in dem mal steinigen, mal sumpfigen, mal waldigen, mal steilem Gelände die Orientierung und das Gleichgewicht zu behalten, weil man nämlich ganz sicher davon ausgehen kann, entweder mit der Hand in einer stacheligen Distel zu landen, oder mit dem Fuss bis zum Knie im Schlamm zu versinken.
Regen trägt in der Situation nicht gerade dazu bei die Stimmung zu heben, aber am schlimmsten ist der Nebel! In nebligen Nächten kann man frei wählen: Stirnlampe an, und ich leuchte mir eine weisse undurchdringliche Nebelwand vors Gesicht und sehe nichts, oder Stirnlampe aus, und ich stehe in einer schwarzen undurchdringlichen Suppe und sehe nichts.
Jedes mal wenn ich dieses Poster sah schwor ich mir nie, nie, nie was positives über das morgendliche, nein das nächtliche Küheholen zu sagen. Und das würde ich auch nicht, hätte es da nicht diese drei oder vier klare Vollmondnächte gegeben, mit diesem spektakulärem Sternenhimmel und diesem unglaublichen Licht und dieser atemberaubenden Nachtluft...die waren schön.
...morgen geht es weiter